Xenophobie
Xenophobie, die Angst oder Feindlichkeit allem Fremden gegenüber, kann recht harmlos sein (muss sie aber nicht, weil Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass eine Erscheinungsform von Nationalismus und Rassismus sein können). Die Xenophobie wirkt der Abenteuerlust entgegen, und verhindert Auslandreisen. Alle kennen den Ausdruck: “Ferien zu Hause sind am schönsten”. Problematisch wird es, wenn die Xenophobie mit Geschichten und Klischees geschürt wird, aber auch das kennen wir von den Gebrüdern Grimm. Märchen haben seit jeher den Zweck gehabt, zu normieren, und Ambitionen, speziell abenteuerliche, einzudämmen.
BLICK und 20Minuten haben die unschöne Tendenz, bei Tätern (nie den Opfern!), die Nationalität anzugeben, sei es bei Straftaten, oder im Verkehrsunfällen und Delikten. In Zürich besteht sogar ein Informationsrecht auf die Nationalität in Polizeiberichten!


Eigenartigerweise spielt bei Verkehrsangelegenheiten die Automarke eine Riesenrolle (Klassenkampf?):

Alles gut, lassen wir den BLICK (und dessen Übermutter, BILD) xenophobische Geschichten publizieren. Unschön wird’s, wenn diese Geschichten frei erfunden sind, wenn Assoziationen suggeriert werden, die unrichtig sind, und wenn die Grenze zum Rassismus überschritten wird. Ein wunderbares Beispiel einer solchen Geschichte folgt unten, wobei die miserablen Recherchiermethoden von BLICK und BILD auch grad offenbar werden.

Die Geschichte ist kurz und traurig. Im Oktober 2011 wird in der Südsee, auf Nuku Hiva, einer Insel der Marquesas in Französisch Polynesien, ein Deutscher Segler vermisst. Seine Leiche, oder besser, verkohlte Reste, werden ein paar Tage später in einer Feuerstelle gefunden und identifiziert. Seine Freundin wird vom mutmasslichen Täter an einen Baum gefesselt und sexuell belästigt.
Der Täter stellt sich, wird angeklagt und zu einer langen Haftstrafe verurteilt.
BILD ‘springert’ (haha, herrliches Wortspiel, nicht?) sehr früh auf den Zug auf und berichtet von der Suche. Bald wird das Wort ‘Kannibalismus” ins Spiel gebracht, allerdings mit einem Fragezeichen versehen. Die Feuerstelle mit den sterblichen Überresten wird gefunden, die Suche nach dem mutmasslichen Täter läuft. Derweilen wird der zuständige Staatsanwalt mit der Kannibalismusvermutung konfrontiert. Er ‘wiegelt’ jedoch ab, der schlaue Franzose, und will von Kannibalismus nichts wissen. Der Sprachgebrauch von BILD ist immer ‘angeblich’, und ‘vermutlich’. Die ‘Experten’ die zum Fall Stellung nehmen, sind auch eher vorsichtig.
Und BLICK?
Mit ein paar Tagen Verspätung berichtet auch der BLICK vom Fall. Die Artikel sind von BILD abgekupfert, nicht einmal die originalen Links sind eingefügt (die schreiben ja eh französisch…). Mit Fragezeichen und Möglichkeitsform nimmt es der BLICK nicht so genau. Der Segler wurde verspeist, pasta (sauglatt…). Der vom BLICK zitierte Experte, ein ETH Physiker (Physiker lügen nicht, schon gar nicht die von der ETH, gäll!), ist auch eher vorsichtig, aber was solls, er war ‘im Tal des Kannibalen‘. Als sich die Identität der sterblichen Überreste bestätigt, wird das selbst generierte Gerücht zitiert (eine geniale Taktik). Erst 3 Tage später wird BLICK vorsichtiger in der Wortwahl, aber der Schaden ist angerichtet.
Um es noch einmal ganz glasklar zu machen: Kannibalismus gibt es auf der Welt, auf Grund der Sachlage war der Verdacht anfänglich nicht von der Hand zu weisen.
Die Art und Weise wie ein Gerücht zum Selbstläufer gemacht wurde, wie schamlos mit Ängsten und Klischees umgegangen wurde, ist verwerflich.
