Wissenschaft und ‘Experten’
Man sagt, die Schweiz bestehe aus 8.5 Millionen Fussball-Nationaltrainern, oder 8.5 Millionen Autofahrlehrern, oder Polizisten, oder Lehrern. Schliesslich fahren wir alle Auto, sind einmal zur Schule gegangen, oder haben eine Busse bekommen.
Was jedoch bedenklich ist, ist die Tatsache, dass seit COVID-19 in der Schweiz auch 8.5 Millionen Epidemiologen und Psychologen leben. Die Wissenschaft erlebt einen unglaublichen Vertrauensverlust. Über die Gründe wird sicher noch viel geschrieben werden, meiner Meinung nach liegt die Ursache in den ungefilterten Informationen, die über soziale Medien verbreitet werden. Man könnte argumentieren, dass das Ganze im Zusammenhang steht mit den Fake News Behauptungen eines Amerikanischen Präsidenten, der soziale Medien schamlos einsetzt, um widerlegbare Behauptungen (auch Lügen genannt) zu verbreiten. Es gilt: Je mehr Follower, desto mehr habe ich Recht…
Die Print- und elektronischen Medien folgen diesem Trend. ‘Journalismus’ ist verkommen zum Zitieren von mehr oder weniger geistreichen oder wahren Tweets, Instafotos und Facebook-Einträgen. Der US Präsident machts vor: Seit Jahren segelt er hart am Wind der Wahrheit, erst gestern (Stand 8. Januar 21) wurde er von Twitter und Facebook gesperrt!
Heute gilt: Wer am lautesten schreit, der wird zitiert, gedruckt, oder dem wird gefolgt. Lobbyisten sind heute Sozial-Medientäter! Medien drucken Meinungen von ‘Experten’, die von der Materie keinen blassen Schimmer haben, aber Interesse (finanziell oder anderweitig) am Resultat der Diskussion oder Entscheidung haben.
Diese Erkenntnis ist weder neu, noch limitiert auf die Pandemie. In der Fliegerei findet das schon lange statt. Wenn es kracht, sind die Seppli Mosers dieser Welt sofort zur Stelle und geben ihren Senf dazu. Und warum werden sie gedruckt? Weil sich nie ein wirklicher Fachmann so voreilig äussern würde.
Ein anderes Gebiet ist Klimaerwärmung: Hier gelten die Erkenntnisse der Fachleute praktisch nicht, weil so viele Interessen im Spiel sind. Auch hier hat es der US Präsident vorgemacht: Lüüge, behaupte, abschtriite…
Zurück zur Pandemie. Warum äussern sich Restaurantbesitzer zu Entscheidungen des Bundesrates? Warum Skiliftbetreiber zu Schliessungsentscheiden? Was hat Bernhard Russi hier zu suchen? Das ist nicht Rocket Science, sondern guter alter Lobbyismus. Solange der Rubel am Rollen gehalten werden kann, ist alles gut, und gut gejammert ist bekanntlich halb gewonnen (wie war das mit den Bauern schon wieder?). Schlussendlich verkommt die Stimme der Epidemiologen zu einer unter vielen, und sicher nicht der lautesten, sie wird zugedröhnt von Wichtigtuern und Besserwissern…
Entscheide in einer Pandemie können nicht mit demokratischen Prozessen gefällt werden, Föderalismus ist total ungeeignet, und Vernehmlassungen ebenso. Aber eben, solange wir skifahren können, ist alles gut…
